| Dominic Grzbielok |
Aktien machen reich
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Sie wollen jedes Jahr acht Prozent Rendite? Das ist möglich. Mit viel Geduld und mit Aktien. Wer in Deutschland nach 1948 in Aktien investiert hat und mehr als 16 Jahre dabei blieb, hat immer Plus gemacht. Das hat das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ausgerechnet. Dazu hat Prof. Richard Stehle den Dax fiktiv auch für die Jahre vor 1987 berechnet. Die kurzfristigen Schwankungen, die so typisch für den Aktienmarkt sind, gleichen sich mit zunehmender Anlagedauer aus. Aktien schlagen festverzinsliche Wertpapiere wie die sehr beliebten Bundesschatzbriefe, hat Prof. Richard Stehle errechnet. Mit den Festgeldanlagen konnten steuerehrliche Anleger in den letzten 30 Jahren nicht einmal den realen Wert ihres Vermögens erhalten. Aktien brachten hingegen jährlich 4,6 Prozent ein.
Aktien gibt es seit 400 Jahren
Das Prinzip, das hinter Aktien steckt, ist uralt: Viele einzelne Anleger erwerben Anteile am Grundkapital einer Firma. Diese Anteile nennt man Aktien. Als älteste Aktie gilt ein Anteilsschein an der niederländischen Ostindien-Kompanie aus dem Jahr 1602. Das Konzept funktioniert immer noch genauso: Der Kurs der Aktie gibt an, welche Aussichten der Markt dem Unternehmen zuschreibt. Mit anderen Worten: Was heute teuer ist, hat nach Einschätzung der Anleger eine gute Zukunft vor sich. Die Börse läuft der tatsächlichen Geschäftsentwicklung also voraus.
Aber was heißt teuer? Viele Unternehmen haben ihr Stammkapital in kleine Häppchen aufgeteilt, oftmals Anteilsscheine mit einem Nennbetrag von einem Euro oder einem US-Dollar. Diese Aktien nennt man Nennbetragsaktien. Selten werden die Kurse allerdings in ein direktes Verhältnis zum Stammkapital gesetzt, da sie meist ein Vielfaches betragen. Außerdem gibt es auch Stückaktien, die keinen Nennbetrag besitzen. Mit ihnen besitzen alle Aktionäre einen gleichen Anteil an der Aktiengesellschaft.
Häufiger wird der Kurs einer Aktie mit dem Gewinn verglichen, den die Aktiengesellschaft pro ausgegebenem Anteilsschein erzielt. Dieses so genannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist der Quotient aus Kurs und Gewinn. Weitere Größen, die zur Beurteilung der Chancen eines Unternehmens wichtig sind, sind der Cash-Flow und der Buchwert einer Gesellschaft. Sie geben an: Kommt genug Geld mit dem täglichen Geschäfts ins Unternehmen? Und: Besitzt die Firma Vermögen wie Gebäude und Bargeld?
Aktien brauchen viel Pflege
Zwei Ertragsquellen gibt es bei Aktien: Dividenden und Kursgewinne. Die börsennotierten Aktienunternehmen schütten einen Teil ihrer Gewinne einmal jährlich in Form der Dividende an ihre Aktionäre aus. Hiervon profitieren Anleger, die eine Aktie längere Zeit halten. Aber Vorsicht: Die 20 größten Unternehmen der Welt werden in zehn oder 20 Jahren ganz andere sein als heute. Umschichtungen empfehlen sich von Zeit zu Zeit. Ein gutes Beispiel, auch wenn es viele Kleinaktionäre nicht hören werden wollen: Wer bei der Deutschen Telekom zum richtigen Zeitpunkt ausgestiegen ist, konnte sogar mit der T-Aktie Geld verdienen.
Die Gefahr bleibt, bei Aktien aufs falsche Pferd zu setzen. Auf lange Sicht war die Telekom sicher eins. Fachleute nennen das ein Klumpenrisiko: Wenn große Teile des Vermögens in einer einzigen Anlageform stecken, setzt man sein Vermögen einem zu großen Risiko aus, dass ausgerechnet mit diesem Investment etwas schiefgeht. Auf die richtige Mischung kommt es an.
Kursgewinne lassen sich auch in kurzen Zeiträumen einstreichen. Viele professionelle Börsenanleger zahlen derart geringe Gebühren, dass sich für sie das Kaufen und Verkaufen von Aktien bereits bei kleinen Kursveränderungen lohnen. Neulinge sollten sich ganz genau mit den Kosten beschäftigen, die ein Aktientransfer mit sich bringt. Nicht immer ist die Hausbank die günstigste Alternative.
Nur jeder achte Deutsche besitzt Aktien oder Fonds. Trotz der Bemühungen der Wirtschaft, Volksaktien zu kreieren, scheuen die Deutsche die Anlage ihres Ersparten in dieser Anlageform. Sicherheit ist ihnen wichtiger, wie sie etwa von Sparbüchern, Lebensversicherungen und Garantiezertifikaten versprochen wird. Aktien erfordern Aktivität, sonst wird man von ihnen leicht enttäuscht. Wer fünf Jahre lang oder länger nicht in sein Depot schauen will, ist mit Aktien nicht besonders gut beraten. Aktien erfordern Aktivität. Eine geeignete Alternative wären etwa Fondssparpläne, die indirekt in Aktien investieren.
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