Volker Petzsch-Kunze

Indexzertifikate: Wetten auf die Börse - aber entspannt

Kurse der Tokioter Börse (Foto: Reuters)
Man braucht keine jahrzehntelange Erfahrung als golfplatzgestählter Investmentbroker, um mit dem Kauf von Zertifikaten ein paar Euro für die Altersvorsorge oder für das eigene Wohlbefinden zu erwirtschaften. Eine Wette auf bestimmte Marktentwicklungen abzuschließen, erfordert weniger Vorwissen oder Investmenterfahrung als man denkt.
 
Für alle, die ihr Portfolio nicht ständig mit der quälenden Analyse der Managementstrategie südamerikanischer Pharmakonzerne hinterfragen wollen, aber trotzdem von der derzeitigen Börsenhausse profitieren möchten, stellen wir eine Anlageform vor, die sich seit einigen Jahren steigender Beliebtheit erfreut: die Indexzertifikate.
 
Zertifikate zählen zu der Produktfamilie der Derivate. Ebenso wie bei Futures oder Optionen werden Zertifikate zu einem Preis gehandelt, der sich auf einen fest definierten Marktgegenstand bezieht, den sogenannten Basiswert oder das Underlying. Als Käufer eines solchen Produkts nimmt man an der Entwicklung dieses Basiswertes teil, ohne Anteile an daran zu erwerben. Profitieren kann man dabei sowohl von der positiven als auch negativen Performance des Underlying, je nach Zertifikat.
 
 
Bei der Suche nach Basiswerten sind der Fantasie der Emittenten grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Neben Aktien- oder Zinsentwicklungen, Rohstoffpreisen oder Wechselkursen stehen bei weniger risikobereiten Anlegern seit Anfang der neunziger Jahre Indexwerte hoch im Kurs. Diese beziehen sich auf die Kennzahlen der großen Handelsplätze und Leitbörsen wie Dow Jones, Euro Stoxx oder Nikkei. Neben einer breiten Streuung des Risikos kann man mit Indexzertifikaten eine konkurrenzfähige Rendite zu vergleichsweise niedrigen Kosten erreichen.
 
Sag mir Quanto
 
Auch das Währungsrisiko zwischen Anleger und Handelsplatz sollte beachtet und kann gegebenenfalls abgesichert werden. Zertifikate mit Währungsabsicherung erkennt man an dem Namenszusatz „Quanto“.
 
Die Laufzeiten von Indexzertifikaten sind zumeist auf einige Jahre begrenzt. Nach Ablauf dieser Frist muss man sein Geld erneut in entsprechende Produkte investieren. Seit geraumer Zeit gibt es auf dem Markt aber auch Produkte ohne Laufzeitende, so genannte Open-End-Zertifikate. So bieten fast alle Bankhäuser entsprechende Produkte an, die WestLB z. B. das erst kürzlich aufgelegte Open-End-Indexzertifikat auf den DAX oder die Deutsche Bank den Nasdaq 100 Index Open End.
 
 
Neu auf dem Markt und sehr beliebt sind außerdem Zertifikatesparpläne, wie sie beispielsweise von der Postbank oder der Sparkasse angeboten werden. Hier investiert man monatlich einen festen Betrag in ein Papier. Je nach Entwicklung des ausgewählten Index erwirbt man damit bei hohen Kursen weniger, bei niedriger Performance mehr Anteile. Hierdurch ergibt sich mittelfristig ein günstiger Durchschnittspreis für den Anleger, der so genannte „Cost-Average-Effect“.
 
Die Frage nach dem Risiko
 
Das vergleichsweise kalkulierbare Risiko von Indexzertifikaten erklärt sich durch die Investitionen in einen Basiswert, der wiederum selbst nur die verschiedensten Unternehmen und Branchen seines Handelsplatzes abbildet. Viele voneinander unabhängige und im besten Falle gegenläufige Unternehmenswerte kommen hier zusammen.
 
Nicht ohne Grund war eines der ersten Zertifikate, das 1990 in Deutschland auf den Markt gelangte, ein Indexzertifikat auf den Frankfurter Leitindex Dax. Der Anleger investiert also in sämtliche Schwergewichte des Dax, ohne Aktien aller dieser Unternehmen erwerben zu müssen. Das spart Geld bei den Kurswerten wie auch bei den Transaktionskosten.
 
 
 
Je größer der Handelsplatz, desto niedriger wird das Risiko, von branchenspezifischen Phänomenen betroffen zu sein. Kauft man beispielsweise Indexpapiere der marktbreiten Indizes EuroStoxx 50, S&P 500 oder Nikkei 225, so bildet man an die Entwicklung von 1005 der weltweit größten Blue-Chip-Werte ab.
 
100-prozentige Sicherheit gegen ökonomische Katastrophen aller Art gibt es aber natürlich auch im Indexgeschäft nicht. Aber Vorsicht: Wie überall an der Börse ist bis zum Totalverlust der Investition alles möglich.
 
 
Alles unter Kontrolle
 
Die Performancekontrolle von Indexzertifikaten ist gerade für den Privatanleger eine wahre Wohltat. Auch mit einer ausgeprägten Abneigung gegen die Feinheiten der Charttechnik sind die großen Börsenindizes leicht zu verfolgen. Nicht nur bei MSN Money, sondern auch in den Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen werden die Indizes an prominenter Stelle veröffentlicht.
 
Die Entwicklung dieser Basiswerte ist selten von größeren Überraschungen geprägt und auch für Börsenlaien relativ transparent. Hat man sich einmal für einen Index oder eine Kombination verschiedener Underlyings entschieden, gibt es nicht mehr viel zu tun. Wichtig: Anleger sollten sich Limits setzen, falls sie nicht allzu große Verluste erleiden wollen. Schließlich hat zum Beispiel der Dax auch heute noch nicht die Verluste nach dem Zusammenbruch der New Economy eingeholt.
 
 
Indexzertifikate werden passiv verwaltet, ohne großen Einsatz hochbezahlter Fondsmanager . Dadurch entstehen den Käufer kaum Kosten in seinem Portfolio. In der Regel entfallen im Gegensatz zu den meisten Fonds sowohl der Ausgabeaufschlag als auch die Managementgebühr. Auch die mit einem Indexzertifikat verbundenen Renditen kann man leicht nachvollziehen. Sie entsprechen der Entwicklung der ihnen zugrunde liegenden Indizes. Bei den so genannten „Performance-Indizes“, wie dem Dax werden die Dividendenausschüttungen der gelisteten Unternehmen in den Kurs eingerechnet. Diese können zu drei Prozent des Kurswertes ausmachen. Beim Dow Jones als "Kursindex" bleiben Sonderzahlungen außen vor. Dies sollte man insbesondere bei einem langfristigen Engagement im Hinterkopf haben. Ob man mit Indexzertifikaten eine Säule der privaten Altersvorsorge betreiben will oder nur einen defensiven Baustein für das eigene Portfolio sucht, drei Dinge sollte man beachten.
 
  • Welche Unternehmen und welche Branchenstruktur stehen hinter dem Index meiner Wahl?
  • Will ich auf Performance- oder Kursindex setzen?
  • Gehe ich Währungsrisiken ein oder sichere ich diese im Voraus ab?
 
Diese drei einfachen Fragen zeigen es: Man muss man für Indexzertifikate kein Experte sein. Und die gesparte Zeit und Aufmerksamkeit, kann man dann gerne auch auf dem Fairway verbringen.
 
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